Sachwalter im Insolvenzverfahren: Aufgaben und Eigenverwaltung
Aktualisiert: 12. Sept.

Wer führt das Unternehmen, wenn ein Sachwalter bestellt wird? Diese Frage beschäftigt viele Unternehmer, sobald eine Insolvenz in Eigenverwaltung im Raum steht. Bei gerichtlich angeordneter Eigenverwaltung verwaltet der Schuldner die Insolvenzmasse unter Aufsicht eines Sachwalters. Die Geschäftsführung bleibt in einer aktiven Rolle, kann aber nicht uneingeschränkt handeln.
Hier erfahren Sie, welche Aufgaben ein Sachwalter hat, wie er bestellt wird und welche Informationen Sie für die wirtschaftliche Bestandsaufnahme benötigen.
Was ist ein Sachwalter im Insolvenzverfahren?
Der Sachwalter ist eine vom Insolvenzgericht bestellte, unabhängige Person im Eigenverwaltungsverfahren. Er prüft die wirtschaftliche Lage und überwacht die Geschäftsführung. Werden Nachteile für Gläubiger durch die Fortsetzung der Eigenverwaltung erkennbar, muss er die gesetzlich vorgesehenen Stellen informieren. Seine Funktion unterscheidet sich von einer ausschließlich im Auftrag der Geschäftsleitung tätigen Sanierungsberatung. Rechtsgrundlage: § 274 InsO.
Sachwalter oder Insolvenzverwalter: Was ist der Unterschied?
In der Eigenverwaltung verbleiben Verwaltung und Verfügung über die Insolvenzmasse grundsätzlich beim Schuldner, unter Aufsicht des Sachwalters. Voraussetzung ist die gerichtliche Anordnung der Eigenverwaltung. § 270 InsO.
Im regulären eröffneten Insolvenzverfahren geht dagegen die Verwaltungs- und Verfügungsbefugnis über das zur Insolvenzmasse gehörende Vermögen auf den Insolvenzverwalter über. Ob Eigenverwaltung für einen Betrieb in Betracht kommt, muss anhand der gesetzlichen Voraussetzungen und der konkreten Lage geprüft werden. § 80 InsO.
Welche Aufgaben übernimmt ein Sachwalter?
Wirtschaftliche Prüfung: Er untersucht die Lage des Schuldners.
Überwachung: Er kontrolliert die Geschäftsführung und die gesetzlich erfassten Ausgaben.
Information bei Risiken: Bei erwartbaren Nachteilen für Gläubiger bestehen Anzeigepflichten.
Das Gericht kann auch bestimmte Unterstützungsaufgaben anordnen, etwa bei der Insolvenzgeldvorfinanzierung, der insolvenzrechtlichen Buchführung und bei Verhandlungen mit Kunden oder Lieferanten. Das bedeutet keine pauschale Übernahme der Unternehmensführung. Aufgaben nach § 274 InsO.
Darf die Geschäftsführung weiterhin Verträge schließen?
Verbindlichkeiten außerhalb des gewöhnlichen Geschäftsbetriebs soll der Schuldner nur mit Zustimmung des Sachwalters eingehen. Auch gewöhnliche Verbindlichkeiten soll er bei dessen Widerspruch nicht eingehen. Der Sachwalter kann außerdem verlangen, Zahlungseingänge und Auszahlungen selbst abzuwickeln. Im betrieblichen Alltag braucht es deshalb klare Abstimmungen und nachvollziehbare Freigaben. § 275 InsO.
Wer kann zum Sachwalter bestellt werden?
Über die Bestellung entscheidet das Insolvenzgericht. Nach § 274 in Verbindung mit § 56 InsO sind insbesondere die Eignung für das konkrete Verfahren, Geschäftskunde und Unabhängigkeit von Schuldner und Gläubigern maßgeblich. Eine Ausbildung allein ersetzt die gerichtliche Auswahl und Bestellung nicht.
Betriebswirtschaftliche Kenntnisse sowie eine Qualifikation in Sanierung und Restrukturierung sind fachlich relevant. Daraus folgt jedoch keine automatische Zulassung bei sämtlichen Amtsgerichten und kein Anspruch auf die Übernahme eines Verfahrens. Auch mögliche Interessenkonflikte müssen geprüft werden. Anforderungen nach § 56 InsO.
Welche Unterlagen helfen bei der Bestandsaufnahme?
Für ein erstes betriebswirtschaftliches Gespräch sind besonders hilfreich:
Aktuelle BWA, Summen- und Saldenliste sowie Jahresabschlüsse.
Kontostände, Kreditlinien und erwartete Ein- und Auszahlungen.
Offene Kundenforderungen und Verbindlichkeiten mit Fälligkeiten.
Wesentliche Verträge, Personalkosten und laufende Verpflichtungen.
Auftragsbestand, Ertragslage und erkennbare Engpässe in Vertrieb oder Abläufen.
Diese Informationen schaffen Transparenz, ersetzen aber keine rechtliche Prüfung. Bei Anzeichen von Zahlungsunfähigkeit oder Überschuldung ist unverzüglich spezialisierte rechtliche Beratung einzubeziehen. Die für bestimmte Unternehmen bestehenden Insolvenzantragspflichten dürfen durch die Vorbereitung von Unterlagen oder Beratungsgesprächen nicht verzögert werden. § 15a InsO.
Was kostet ein Sachwalter?
Die Vergütung richtet sich nach der Insolvenzrechtlichen Vergütungsverordnung. § 12 InsVV sieht als Regelfall 60 Prozent der für den Insolvenzverwalter bestimmten Vergütung vor. Daraus ergibt sich kein pauschaler Eurobetrag für Ihren Betrieb. Die konkrete Festsetzung hängt vom Verfahren und den maßgeblichen Umständen ab. Das Honorar einer gesondert beauftragten Unternehmensberatung ist davon zu unterscheiden. § 12 InsVV.
Häufige Fragen zur Sachwaltung
Kann ich einen Sachwalter selbst beauftragen?
Ein privater Beratungsvertrag begründet kein Sachwalteramt. Eine Person kann vorgeschlagen werden; die Bestellung erfolgt durch das Insolvenzgericht nach den gesetzlichen Regeln.
Ist ein Sachwalter mein persönlicher Sanierungsberater?
Die Rollen sind unterschiedlich. Der Sachwalter erfüllt eine unabhängige Überwachungsfunktion. Eine betriebswirtschaftliche Sanierungsberatung arbeitet im Rahmen ihres vereinbarten Auftrags an Zahlen, Krisenursachen und Maßnahmen.
Garantiert Eigenverwaltung die Rettung meines Unternehmens?
Nein. Ein Verfahren allein macht ein Geschäftsmodell nicht tragfähig. Entscheidend sind auch die wirtschaftliche Ausgangslage, verfügbare Handlungsmöglichkeiten und die Umsetzung geeigneter Maßnahmen.
Sanierungsberatung in Essen, im Ruhrgebiet und in NRW
Ich bin Nadine Wleklinski, Inhaberin der CHI Unternehmensberatung, staatlich geprüfte Betriebswirtin und zertifizierte Sanierungs- und Restrukturierungsberaterin (IFUS). Ich unterstütze inhabergeführte Unternehmen dabei, ihre wirtschaftliche Lage zu strukturieren, Liquidität und Rentabilität zu planen sowie Krisenursachen in Zahlen, Vertrieb und Abläufen zu erkennen.
Im Erstgespräch klären wir Ausgangslage, Dringlichkeit und den möglichen Umfang meiner betriebswirtschaftlichen Begleitung. Rechtliche Verfahrensfragen gehören in entsprechend qualifizierte rechtliche Beratung. Eine gerichtliche Sachwalterbestellung ist ein gesonderter Vorgang.
Autorin: Nadine Wleklinski · Fachlich überarbeitet am 12. September 2026. Allgemeine Orientierung, keine individuelle Rechtsberatung.




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