Unternehmenssanierung: Was tun, wenn die Liquidität knapp wird?
Volle Auftragsbücher, aber ein leeres Konto? Wenn Rechnungen liegen bleiben, Lieferanten drängen und der Kontokorrentkredit kaum noch Luft lässt, braucht es einen belastbaren Überblick. Unternehmenssanierung beginnt damit, die Ursachen der Krise zu verstehen und die nächsten Entscheidungen auf verlässliche Zahlen zu stützen.
Ich bin Nadine Wleklinski, Inhaberin der CHI Unternehmensberatung in Essen. Als staatlich geprüfte Betriebswirtin und zertifizierte Sanierungs- und Restrukturierungsberaterin (IFUS) begleite ich inhabergeführte Unternehmen dabei, ihre wirtschaftliche Situation zu ordnen und Maßnahmen umzusetzen.
Warum Unternehmenssanierung 2026 ein aktuelles Thema ist
Nach der Destatis-Mitteilung vom 11. September 2026 wurden im ersten Halbjahr 2026 insgesamt 12.812 beantragte Unternehmensinsolvenzen registriert – 6,7 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Diese Zahl beschreibt die gesamtwirtschaftliche Lage, nicht die Sanierungschancen eines einzelnen Betriebs. Für Ihre Entscheidung zählt, wie sich Liquidität, Ertrag und Aufträge in Ihrem Unternehmen entwickeln. Quelle: Statistisches Bundesamt, Unternehmensinsolvenzen im Juni 2026.
Was bedeutet Unternehmenssanierung für kleine und mittlere Unternehmen?
Unternehmenssanierung umfasst Maßnahmen, mit denen ein Betrieb seine wirtschaftliche Krise überwinden und wieder tragfähig arbeiten soll. Dazu gehören Liquiditätsplanung, eine Analyse der Ertragslage und die Überarbeitung von Abläufen, Kosten oder Vertrieb. Restrukturierung beschreibt die dafür erforderlichen Veränderungen an Organisation, Geschäftsmodell oder Finanzierung. Ein Turnaround ist das angestrebte Ergebnis; ob er gelingt, hängt von der konkreten Ausgangslage und der Umsetzung ab.
Ein kurzfristiger Liquiditätsengpass, dauerhaft fehlende Rentabilität und eine mögliche Insolvenzreife sind unterschiedliche Situationen. Sie brauchen unterschiedliche Antworten. Wer nur nach einer neuen Finanzierung sucht, übersieht möglicherweise ein Geschäft, das mit jedem zusätzlichen Auftrag Geld verliert.
Fünf Warnsignale, die Sie ernst nehmen sollten
Der Kontostand entscheidet über den Arbeitstag: Sie prüfen morgens zuerst, welche Zahlung noch möglich ist.
Umsatz und Ertrag passen nicht zusammen: Die Auslastung ist hoch, aber der Deckungsbeitrag reicht nicht für die laufenden Kosten.
Forderungen bleiben zu lange offen: Erbrachte Leistungen werden spät abgerechnet oder Kunden zahlen später als erwartet.
Der Vertrieb stockt: Angebote bleiben liegen, Zuständigkeiten fehlen oder erfolgversprechende Kontakte werden nicht nachverfolgt.
Zahlen kommen zu spät: Entscheidungen beruhen auf vergangenen Monaten, während sich die Lage längst verändert hat.
Liquidität sichern: Welche Zahlen jetzt auf den Tisch gehören
Für die erste betriebswirtschaftliche Bestandsaufnahme benötigen Sie aktuelle Kontostände, verfügbare Kreditlinien, offene Forderungen, fällige Verbindlichkeiten und erwartete Ein- und Auszahlungen. Hinzu kommen Löhne, Steuern, Sozialabgaben, Mieten, Darlehensraten und wesentliche Lieferantenrechnungen. Entscheidend sind tatsächliche Zahlungstermine und realistische Annahmen.
Als Steuerungsinstrument kann eine rollierende Liquiditätsplanung für die kommenden 13 Wochen dienen. Sie zeigt Woche für Woche, wann Geld fehlt und welche Annahme dahintersteht. Bei akutem Druck kann eine engere, auch tägliche Betrachtung erforderlich sein. Die Planung wird mit den tatsächlichen Zahlungen abgeglichen und fortgeschrieben. Sie ersetzt keine insolvenzrechtliche Prüfung.
Wichtig bei akuter Zahlungsnot: Bei Anzeichen von Zahlungsunfähigkeit oder Überschuldung ist unverzüglich spezialisierte rechtliche Beratung einzubeziehen. Für die von § 15a InsO erfassten Unternehmen bestehen Insolvenzantragspflichten; Sanierungsbemühungen setzen diese nicht aus. Ein Beratungstermin oder eine neue Finanzplanung darf eine erforderliche Prüfung nicht verzögern. Rechtsgrundlage: § 15a Insolvenzordnung.
Sanierung braucht mehr als Kostensenkung
Aus der Analyse entsteht ein priorisierter Maßnahmenplan: Welche Schritte wirken kurzfristig auf die Liquidität? Welche verbessern die Rentabilität? Wer ist verantwortlich, bis wann wird umgesetzt und woran erkennen wir den Effekt?
Mögliche Ansatzpunkte sind eine zeitnahe Rechnungsstellung, konsequentes Forderungsmanagement, neu vereinbarte Zahlungsziele, eine überprüfte Preiskalkulation und klarere Vertriebsabläufe. Auch Finanzierungsoptionen können untersucht werden. Ihre Verfügbarkeit, Kosten und Folgen müssen zum Betrieb passen. Eine zusätzliche Finanzierung löst für sich genommen kein strukturelles Ertragsproblem.
Für ein Sanierungskonzept werden Ausgangslage, Krisenursachen, Maßnahmen und Planung nachvollziehbar zusammengeführt. Welche Tiefe erforderlich ist und ob etwa ein Konzept nach IDW S 6 verlangt wird, sollte früh mit den beteiligten Finanzierungspartnern und Fachberatern geklärt werden.
Aus meiner Beratungspraxis: Der Engpass lag auch im Vertrieb
In einem von mir begleiteten Unternehmen implementierte ich eine Software zur Risikoüberwachung. Wir optimierten Zahlungsziele und prüften Möglichkeiten, kurzfristig Liquidität verfügbar zu machen. Im Verlauf der Analyse wurde außerdem ein Engpass im Vertrieb sichtbar.
Das ist für mich ein zentraler Punkt: Eine Liquiditätskrise lässt sich nicht allein am Bankkonto verstehen. Auch verzögerte Vertriebsprozesse können dazu beitragen, dass erwartete Einnahmen ausbleiben. Die erarbeiteten Maßnahmen trugen in diesem Fall dazu bei, die Liquiditätssituation zu stabilisieren und die wirtschaftliche Krise zu entschärfen.
Anonymisiertes Praxisbeispiel aus meiner Beratung. Die Ergebnisse lassen sich nicht pauschal auf andere Unternehmen übertragen.
Ihre Vorbereitung auf ein Sanierungsgespräch
Aktuelle BWA und möglichst eine Summen- und Saldenliste zusammenstellen.
Offene Kunden- und Lieferantenposten mit Fälligkeiten bereitstellen.
Kontostände, Kreditlinien und bestehende Finanzierungsverträge erfassen.
Auftragsbestand, Angebotsbestand und erkennbare Vertriebsengpässe notieren.
Die drei dringendsten Entscheidungen und ihren zeitlichen Rahmen benennen.
Fehlende Unterlagen sind kein Grund, bei einer akuten Krise abzuwarten. Benennen Sie offen, welche Informationen noch nicht vorliegen.
Häufige Fragen zur Sanierungsberatung
Wann sollte ich eine Unternehmenssanierung angehen?
Sobald sich Liquiditätsengpässe wiederholen, Verluste verstetigen oder wichtige Verpflichtungen unsicher werden. Eine frühe Bestandsaufnahme hilft, den Handlungsbedarf zu erkennen. Bei möglichen Insolvenzgründen ist die rechtliche Prüfung unmittelbar erforderlich.
Kann ein Unternehmen trotz guter Auftragslage in eine Krise geraten?
Ja. Vorfinanzierung, lange Zahlungsziele, verspätete Rechnungen oder unzureichende Margen können die Zahlungsfähigkeit belasten. Deshalb gehören Auftragsbestand, Ertrag und Liquidität gemeinsam in die Analyse.
Was unterscheidet Sanierungsberatung und Insolvenzberatung?
Meine betriebswirtschaftliche Sanierungsberatung betrachtet Zahlen, Prozesse und wirtschaftliche Maßnahmen. Die rechtliche Beurteilung von Insolvenzgründen, Antragspflichten und Verfahrensoptionen gehört in entsprechend qualifizierte rechtliche Beratung. Bei Bedarf müssen diese Perspektiven eng zusammenarbeiten.
Unternehmenssanierung in Essen, im Ruhrgebiet und in NRW
Sie möchten Ihre Unternehmenskrise strukturiert angehen? Ich unterstütze kleine und mittlere, insbesondere inhabergeführte Unternehmen in Essen und NRW sowie digital deutschlandweit. Im Erstgespräch klären wir Ausgangslage, Dringlichkeit und den möglichen Umfang der betriebswirtschaftlichen Begleitung.
Sie denken zugleich an eine spätere Übergabe? Wirtschaftliche Stabilität und nachvollziehbare Strukturen sind auch für die Vorbereitung einer Unternehmensnachfolge relevant.
Autorin: Nadine Wleklinski · CHI Unternehmensberatung · Fachlicher Stand: 12. September 2026. Allgemeine betriebswirtschaftliche Orientierung; keine individuelle Rechtsberatung.




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